Aceton

 


Maßgebliche Voraussetzungen für eine effektive Milchproduktion sind hohe Milchleistungen, gute Fruchtbarkeit, eine lange Nutzungsdauer und vor allem eine stabile Gesundheit der Milchkühe. Die Selektion auf hohe Milchleistung hat zu einem beachtlichen genetischen Potential der Tiere geführt. Steigende Milchleistungen gehen aber auch einher mit höheren Belastungen für den Organismus, was sich in zunehmenden stoffwechselbedingten Gesundheitsstörungen (Ketose) äußern kann. Ketose führt zu einer Leistungsminderung und erhöht des Weiteren das Risiko für andere Erkrankungen wie Fruchtbarkeitsstörungen, Labmagenverlagerungen und Erhöhung der somatischen Zellzahl.

 

Der Acetongehalt der Milch kann hier als wichtiger Indikator bei der regelmäßigen Stoffwechselüberwachung der Hochleistungskühe genutzt werden. Er erlaubt eine Einschätzung des Ketoserisikos und hilft gefährdete Tiere rasch und sicher zu erkennen und zu behandeln.

 

 


Ketose

Wichtig für eine hohe Laktationsleistung der Kühe ist der Verlauf der Energiebilanz zu Beginn der Laktation. Die täglich ermolkene Milchmenge steigt nach der Kalbung schnell an und hat ihr Maximum zwischen der 4. und der 7. Laktationswoche. Da die maximale Futteraufnahmekapazität aber erst in der 8. bis 11. Laktationswoche erreicht werden kann, ist eine Energiebedarfsdeckung in den ersten Wochen nicht möglich. Die daraus resultierende negative Energiebilanz (postpartale Energielücke) führt dazu, dass die Leistungskühe ihre Fett- und Eiweißspeicher (Körperfettmobilisierung) angreifen müssen. Es kommt zum Anstieg freier Fettsäuren im Blut, die über ß-Oxidation in der Leber zu den Ketokörpern Acetacetat, ß-Hydroxybutyrat und Aceton metabolisiert werden. Ein Anstieg der Ketokörperkonzentration erhöht das Risiko einer postpartalen pathologischen Ketogenese (krankhafte Bildung von Ketokörpern nach dem Kalben) in den ersten 8 Laktationswochen.

Gleichzeitig tritt durch Mangelernährung eine Leberverfettung ein, was sich in einer verminderten Harnstoffsyntheseleistung äußert. Da die meisten Ketosen subklinisch verlaufen, werden sie als solche nicht erkannt und nicht behandelt.


Der Ketokörper Aceton wird zum überwiegenden Teil mit der Milch ausgeschieden und kann mit der unten beschriebenen Methode quantitativ bestimmt werden. Die Untersuchung der Milchacetonkonzentration erlaubt bereits in den Tagen nach dem Abkalben bzw. in den ersten Laktationswochen eine Einschätzung des Ketoserisikos nach folgender Tabelle:

 


Beurteilung der Milchacetonkonzentration nach STAUFENBIEL u. Mitarb. 1998


Acetonklasse Acetonkonzentration Beurteilung
mmol pro l mg pro l
1 < 0,250 < 14,5 physiologischer Bereich (Normbereich)
2 0,250 bis 1,000 14,5 bis 58,0 subklinische Ketose
3 1,001 bis 2,000 58,1 bis 116,0 Risikobereich zur klinischen Ketose
4 > 2,000 > 116,0 klinische Ketose

 

 

Einflussfaktoren auf die Milchacetonkonzentration:

 

  • Kondition der Tiere vor dem Abkalben
  • Qualität der Futtermittel
  • Fütterungsmanagement (in der Trockensteherperiode und nach dem Abkalben, je höher Energiedefizit desto höher Acetongehalt)
  • Haltung (bei bewegungsintensiver Haltung geringer als bei Anbindehaltung)
  • Tageszeit (morgens niedriger als abends)
  • Jahreszeit (in Sommer- und Herbstmonaten höher)

 

Analytik:

 

Bei der quantitativen Bestimmung von Milchaceton mit der Fließinjektionsmethode am Autoanalyzer, handelt es sich um ein kontinuierliches Verfahren mit luftsegmentierter Probentrennung. Das in der Milch enthaltene Aceton diffundiert durch eine Teflonmembran in einen Reagenzienstrom. Eine sich anschließende chemische Reaktion zwischen Aceton und dem im Reagenzienstrom enthaltenen Farbreagenz führt zu einer pH-Wertsenkung. Diese pH-Wertänderung wird spektrophotometrisch im Durchflussphotometer gemessen. Die Einstellung und Überprüfung des Gerätes erfolgt mit fest definierten Acetonstandards.