Zellzahl

 


Bedeutung

Die primäre biologische Bedeutung der somatischen Zellen der Milch liegt in ihrer Beteiligung an der Infektionsabwehr der Milchdrüse. Eine Erhöhung der Zellzahl ist Teil der körperlichen Abwehr bei Infektionen des Euters und somit notwendig. Allerdings weisen Zellzahlen ab 150.000 bis 200.000 Zellen pro ml Milch bereits auf Störungen des Gesundheitszustandes des Euters hin. Je nach Intensität und Lokalisation der Entzündung steigt die Zellzahl bis zu mehreren Millionen pro ml Milch bei erkrankten Eutervierteln an. Die Zellzahl der Rohmilch ist somit ein wichtiges Beurteilungskriterium für die Eutergesundheit der Kuh.

Laut Milch-Güteverordnung muss der Zellgehalt der Anlieferungsmilch mindestens zweimal im Monat untersucht werden. Der geometrische Mittelwert aus dem Abrechnungsmonat und den zwei vorhergehenden Monaten (3-Monatsmittel) dient zur Einteilung in folgende Güteklassen:

 


S-Klasse Klasse 1 Klasse 2
Somatische Zellen/ml < 300.000 ≤ 400.000 > 400.000

 

Was sind Zellen?

Der Zellzahlgehalt der Milch ist der Gehalt an somatischen, d.h. aus dem Körper laktierender Tiere stammenden Zellen und Zellbestandteile pro ml Milch. Dazu zählen die aus dem Drüsengewebe stammenden Epithelzellen, Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und aus der Lymphe kommende Lymphozyten, die ständig als abgestoßene und abgesonderte Teile aus der oberen Zellschicht der Euterhohlräume und aus dem Blut in die Milch gelangen.

Der Zellzahlgehalt ist ein Ausdruck für die physiologische Erneuerung des Eutergewebes während der Milchbildung, für die Reaktion des Drüsengewebes auf mechanische, chemische oder toxische Einwirkungen sowie für die Abwehrreaktion des Tieres auf Krankheitserreger. Die Milchdrüse einer gesunden, stressfreien Kuh enthält zwischen 10.000 und 100.000 Zellen pro ml Milch, wobei starke individuelle oder temporäre Schwankungen möglich sind.


 

Einflussfaktoren auf die Zellzahl

Neben der Eutergesundheit haben folgende Faktoren einen Einfluss auf die Höhe der Zellzahl:

  • Organerkrankungen
  • Fütterung
  • Alter des Tieres
  • Stress (z.B. Sommerhitze, Umstallen, Klauenpflege)
  • Laktationsphase
  • Rasse
  • Innerbetriebliche Milchhygiene
  • Melktechnik
  • Melkbarkeit
  • Tierhaltung

 

Schlechte Haltungsbedingungen für die Tiere (feuchte, schmutzige Liegeflächen, schlechtes Klima im Stall, defekte Spaltenböden), ungenügende Melkhygiene (Vormelken, Euterreinigung, Nachmelken, Zitzen dippen u.a.) und nicht ausreichende Überwachung bzw. Pflege der Melkanlagen (Vakuum, Pulsation, Filterwechsel, Zitzengummi) führen zu Euterentzündungen/Mastitis und somit zu einem starken Anstieg der Zellzahlen bis zu mehreren Millionen pro ml Milch. Dies verursacht hohe Kosten für den landwirtschaftlichen Betrieb u.a. durch Milchgeldverluste (Milchleistungsabfall, Wegfall von Qualitätsprämien), hohe Behandlungskosten für den Tierarzt, Medikamente und Nachkontrollen und eine verringerte Nutzungsdauer der Kühe.


 

Analytik

Für die Bestimmung der somatischen Zellzahl in der Rohmilch wird die Methode der Durchflusszytometrie verwendet. Dabei werden die zu untersuchenden Teilchen der Milchprobe in einem Flüssigkeitsstrom (Trägerflüssigkeit) vereinzelt, mit einem speziellen Farbstoff angefärbt und mit fluoreszierendem Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt. Die entstehenden Lichtimpulse pro festgelegter Zeiteinheit werden gezählt und in somatische Zellen je ml Probe umgerechnet.